PRESSEBERICHTE

 

 

Matthias Amberg und Andres Weber, die beiden Mitinitiatoren des Bürgerforums Stäfa, im Interview mit lokal.news.

17. April 2026


Bürgerforum Stäfa: «Wir wollen keine Partei sein»

Mit dem Stäfner Bürgerforum soll in Stäfa eine neue politische Plattform entstehen. Initiiert wurde sie unter anderem von Matthias Amberg und Andres Weber. Das Forum versteht sich nicht als Partei, sondern als Gefäss für Menschen, die sich lokalpolitisch engagieren wollen, ohne sich einer nationalen Parteilogik unterzuordnen. Vor der dritten Sitzung vom 20. April 2026 erklären die beiden im Interview mit lokal.news, was hinter der Idee steckt, welche Themen sie bewegen – und wen sie ansprechen wollen

Mit dem Stäfner Bürgerforum soll in Stäfa eine neue politische Plattform entstehen. Initiiert wurde sie unter anderem von Matthias Amberg und Andres Weber. Das Forum versteht sich nicht als Partei, sondern als Gefäss für Menschen, die sich lokalpolitisch engagieren wollen, ohne sich einer nationalen Parteilogik unterzuordnen. Vor der dritten Sitzung vom 20. April 2026 erklären die beiden im Interview mit lokal.news, was hinter der Idee steckt, welche Themen sie bewegen – und wen sie ansprechen wollen

stäfa.lokal.news: Wer seid ihr – und was motiviert euch, ein Bürgerforum in Stäfa aufzubauen?

Matthias Amberg: Ich bin Matthias Amberg. Ursprünglich komme ich aus Männedorf, lebe aber seit gut 20 Jahren in Stäfa und fühle mich hier sehr wohl. Beruflich bin ich Betriebswirtschafter. Ich habe eine Treuhandfirma aufgebaut, später verkauft und bin heute als Firmenmakler für Treuhandunternehmen tätig. Die Idee eines Bürgerforums kenne ich schon länger, unter anderem aus Greifensee (Aktion G), wo wir sieben Jahre gewohnt haben. Meine wichtigste Motivation ist aber einfach, dass ich mich für Stäfa einsetzen möchte. Meine Frau Judith Amberg Müller ist in Stäfa aufgewachsen und stark im Dorf verankert. Auch das hat sicher dazu beigetragen, dass ich mich hier engagiere.

Andres Weber: Ich bin Andres Weber und lebe seit 13 Jahren in Stäfa. Ich habe früher schon einmal hier gearbeitet – meine erste Stelle als junger Ingenieur war in Stäfa. Beruflich war ich in den 80ern und 90ern mit thermischer Sonnenenergienutzung beschäftigt (in Stäfa stehen ca. 10 Solaranlagen von mir aus dieser Zeit). Später war ich in vielen, auch sehr grossen Projekten, als Gebäudetechniker und Minergie-Fachspezialist tätig. Beruflich war ich im Ingenieurwesen und später in der Gebäudetechnik tätig. Dabei haben mich Energiefragen und Nachhaltigkeit immer stark beschäftigt. Ich bin politisch interessiert und verfolge, was im Dorf läuft. Zudem habe ich bereits lokale politische Erfahrungen gemacht – etwa mit einer Initiative für eine Begegnungszone im Oberhausenquartier oder beim Versuch, in unserem Quartier eine grüne Oase mit grossen Tannen zu erhalten. Solche Erfahrungen haben meine Motivation zusätzlich gestärkt.

stäfa.lokal.news: Ihr habt beide politische Erfahrungen gesammelt. Warum wählt ihr Euch nicht eine bestehende politische Partei aus?

Andres Weber: Ich habe ein breites politisches Empfinden und lasse mich nicht einfach auf einer klassischen Links-rechts-Achse einordnen. In gewissen Fragen bin ich sehr liberal, in anderen sehr progressiv. Nachhaltigkeit nehme ich im ursprünglichen Sinn ernst – und das betrifft Umweltfragen genauso wie wirtschaftliche. Ich unterstütze klar die KMU und finde das lokale Gewerbe zentral für ein Dorf wie Stäfa. Gleichzeitig bin ich skeptisch gegenüber jener Form der Globalisierung, die vor allem grossen Konzernen dient. Diese Spannungsfelder lassen sich für mich in einer Partei nur schwer abbilden.

Matthias Amberg: Ich war früher in der FDP (Uetikon am See) und auch in der Rechnungsprüfungskommission. Später war ich 8 Jahre in der GLP Stäfa. Was mich gestört hat: In Parteiprogrammen steht oft viel Richtiges – etwa zur nachhaltigen Wirtschaft. Wenn es dann konkret wird, habe ich aber auch in Stäfa erlebt, dass genau diese Anliegen nicht konsequent getragen werden. In einer Partei wird man zudem schnell in eine Schublade gesteckt. Man muss sich plötzlich auch für Dinge rechtfertigen, die auf nationaler Ebene beschlossen oder gesagt werden. Als Parteiloser fühle ich mich freier, unabhängiger und wohler.

lokal.news: Was unterscheidet euer Bürgerforum von einer Partei?

Andres Weber: Wir verstehen uns als politische Kraft mit lokalem Fokus. Unser Bezugspunkt ist nicht Zürich oder Bern, sondern Stäfa. Unsere Themen, unsere Diskussionen und unsere Haltung beziehen sich auf das Dorf.

Matthias Amberg: Wichtig ist: Wir sehen uns nicht als weitere Partei. Wir wollen vielmehr Menschen ansprechen, die sich nicht für eine Partei entscheiden wollen, sich aber trotzdem fürs Dorf engagieren möchten. Uns geht es darum, Themen aus der Bevölkerung aufzunehmen und anzupacken – gerade dort, wo wir den Eindruck haben, dass die Behörden in den letzten Jahren eher verwaltet als gestaltet haben. Beispiele sind preiswerter Wohnraum, Begegnungszonen oder allgemein die Lebensqualität im öffentlichen Raum.

lokal.news: Ihr wollt also stärker themenbezogen arbeiten als entlang klassischer Lager?

Andres Weber: Ja. Wir wollen auch Menschen motivieren, die von der Politik enttäuscht sind und sich zurückgezogen haben. Viele schimpfen zwar, machen aber nicht mehr mit. Vielleicht können wir da positive Impulse setzen.

Matthias Amberg: Ob daraus später auch einmal Kandidaturen für Wahlen entstehen, ist offen. Das ist aber nicht das primäre Ziel. Zuerst geht es darum, eine Plattform aufzubauen. Wenn sich Mitglieder dafür interessieren, Verantwortung in einer Behörde zu übernehmen, ist das möglich – aber es ist nicht die Voraussetzung, um sich für das Bürgerforum zu engagieren. Wir sind auch happy, wenn wir passive Mitglieder haben, die sich vor allem über Abstimmungsvorlagen oder Behördenwahlen informieren möchten.

lokal.news: Besteht nicht die Gefahr, dass ihr damit vor allem «Wutbürger» anzieht?

Andres Weber: Wir wollen etwas aufbauen, nicht dagegen sein um des Dagegenseins willen. Wer mitmachen will, soll partizipieren und konstruktiv mitdenken. Wir wollen einen Diskurs pflegen, in dem schnell sichtbar wird, mit welcher Haltung jemand dabei ist. Und selbstverständlich müsste eine Organisation wie unsere sich auch abgrenzen können, falls jemand klar gegen ihren Zweck arbeitet.

lokal.news: Auf eurer Website ist von einer «überparteilichen Plattform für parteilose Stäfnerinnen und Stäfner» die Rede. Gleichzeitig sind auch Parteimitglieder willkommen. Wie passt das zusammen?

Matthias Amberg: Grundsätzlich wollen wir niemanden ausschliessen – ausser Menschen, die offensichtlich nicht zu unserem Zweck passen. Im Moment schärfen wir unser Profil noch, das ist ein laufender Prozess. Im Kern richtet sich das Bürgerforum an Parteilose. Aber wenn jemand Mitglied einer Partei ist und konstruktiv mitarbeiten will, schliessen wir das nicht kategorisch aus. Wir wollen einfach nicht von Parteimitgliedern vereinnahmt werden.

lokal.news: Wo würdet ihr euch politisch einordnen? Eher links der Mitte?

Matthias Amberg: Ich finde diese Einordnung nicht besonders hilfreich. Ich war in der FDP und in der GLP – beides keine linken Parteien. Und trotzdem sind Themen wie Nachhaltigkeit oder preiswerter Wohnraum für mich zentral. Dass Nachhaltigkeit reflexartig links eingeordnet wird, finde ich fragwürdig. Sie steht längst auch in bürgerlichen Parteiprogrammen. Uns geht es weniger um Ideologien als um Werte: Nachhaltigkeit, Lebensqualität und eine gute Durchmischung im Dorf.

 

Matthias Amberg

lokal.news: Wie würdet ihr konkret Interessen abwägen – etwa zwischen Arbeitsplätzen und Freiräumen? Wenn ein Unternehmen Land für eine Erweiterung braucht: Wirtschaft oder Grünraum?

Andres Weber: Das ist für mich klar eine Frage der Interessenabwägung. Arbeitsplätze sind für Seegemeinden sehr wichtig, und Stäfa braucht sie. Wenn man Arbeitsplätze sichern kann, ist das ein starkes Argument. Gleichzeitig muss man natürlich nach Ausgleichsmöglichkeiten suchen, wenn Grünraum verloren geht.

Matthias Amberg: In der Praxis stellt sich die Frage für unsere Ideen meist gar nicht so. Wenn wir von Begegnungszonen oder kleinen Parks sprechen, dann meinen wir öffentliche Flächen, die bereits der Gemeinde gehören – nicht privates Industrieland. Ich denke an Orte wie den Seeplatz, den Bereich vor dem Gemeindehaus oder den Bahnhof. Dort gibt es heute oft asphaltierte Flächen ohne Schatten und ohne Aufenthaltsqualität. Genau dort sehen wir Potenzial.

lokal.news: Ihr sprecht auch von Rechtsmitteln bei Bau- und Verkehrsprojekten. Bedeutet das, dass ihr Einsprachen führen oder gar Anwälte beiziehen wollt?

Andres Weber: Am Anfang sicher nicht. Es gibt Instrumente, die wenig kosten – etwa Einzelinitiativen. Da geht es vor allem um Ideen, Arbeit und Engagement.

Matthias Amberg: Der Statutenentwurf ist noch nicht definitiv. Vieles wurde zunächst sinngemäss von anderen Bürgerforen übernommen. Grundsätzlich verstehen wir uns eher als konstruktive Kraft. Wir wollen nicht einfach Projekte verhindern. Wenn es aber um aus unserer Sicht unsinnige oder unverhältnismässig teure Vorhaben geht, kann es im Einzelfall schon sinnvoll sein, sich zu wehren.

lokal.news: Ein grosses Thema von euch ist die Gestaltung öffentlicher Räume – etwa rund um den Bahnhof oder am See. Was schwebt euch konkret vor?

Matthias Amberg: Ich denke nicht an ein Millionenprojekt oder an ein neues Prestigevorhaben. Mir geht es um einfache, gut nutzbare Orte mit Schatten, Sitzgelegenheiten und etwas Grün. Kleinere Parks oder Begegnungszonen, in denen sich 30 bis 50 Leute gerne aufhalten. Ein Beispiel ist der Seeplatz beim Hafen. Heute ist das weitgehend eine Asphalt- und Betonfläche. Das muss nicht so sein. Man könnte dort mit Bepflanzung, mobilen Pflanzentrögen oder einzelnen Bäumen viel Aufenthaltsqualität schaffen, ohne dass etwa die Chilbi deswegen nicht mehr stattfinden könnte.

lokal.news: Würdet ihr dafür auch Land kaufen wollen?

Matthias Amberg: Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Es gibt genügend Gemeindeland, auf dem in den nächsten Jahren viel möglich wäre. Landkauf wäre der teuerste Teil – und im Moment überhaupt nicht prioritär.

lokal.news: Habt ihr Ambitionen für Behörden oder Gemeinderat?

Matthias Amberg: Das steht derzeit nicht im Vordergrund. Die Wahlen sind gerade vorbei, und wir haben nun vier Jahre Zeit, das Bürgerforum aufzubauen. Uns geht es zuerst darum, breiter abgestützt zu sein. Wenn später Mitglieder kandidieren wollen, ist das gut möglich. Ein Thema, das wir uns ernsthaft überlegen, ist eine Amtszeitbeschränkung. Wir haben in Stäfa aus unserer Sicht teils sehr lang amtierende Behördenmitglieder. Da stellt sich schon die Frage, wie offen das System für neue, initiative Personen ist.

Andres Weber: Für mich persönlich ist klar: Ich werde nie in einen Gemeinderat gehen. Das entspricht mir nicht. Ich arbeite lieber projektbezogen, vernetzt und thematisch – dort, wo man konkret etwas bewegen kann.

 

Andres Weber

lokal.news: Mit acht Personen an der ersten Sitzung beansprucht ihr noch keine breite Legitimation. Wie gross wollt ihr werden?

Matthias Amberg: Diese acht Personen waren einfach die erste Runde – und darüber war ich sehr froh. Aber natürlich ist das nicht das Ziel. Ich stelle mir 300 bis 500 Mitglieder vor. Dann hätte das Bürgerforum Gewicht an Gemeindeversammlungen und wäre grösser als jede Ortspartei in Stäfa. 500 Mitglieder (und Sympathisanten) entsprechen 3 % der Stäfner, das scheint mir absolut realistisch.

lokal.news: Wie wollt ihr so viele Leute erreichen?

Matthias Amberg: Durch öffentliche Präsenz und konkrete Arbeit. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden wir bereits Ende Mai ein Wahlpodium zur Gemeinde-Präsidiumswahl organisieren. Das wäre ein erster öffentlicher Auftritt, bei dem wir auch unser Profil zeigen könnten. Daneben wird es sicher auch Sympathisantinnen und Sympathisanten geben, die vielleicht nicht Mitglied werden wollen, uns aber inhaltlich unterstützen.

lokal.news: Wie wollt ihr euch finanzieren?

Matthias Amberg: Mit moderaten Mitgliederbeiträgen. Bei anderen Bürgerforen liegen diese oft zwischen 40 und 80 Franken. Damit lässt sich mit einem bescheidenen Budget schon einiges machen. Wir denken an politische Apéros vor Gemeindeversammlungen, vielleicht einen oder zwei Anlässe pro Jahr. Wenn man beispielsweise 300 Mitglieder mit je 50 Franken hätte, ergäbe das 15’000 Franken Budget. Damit könnte man über mehrere Jahre einiges aufbauen.

Andres Weber: Im Kontext eines Dorfes ist vieles überschaubar. Flyer sind nicht teuer. Der wichtigste Einsatz ist ohnehin die Eigenleistung – also das Engagement der Leute.

lokal.news: Die nächste Sitzung findet am 20. April statt. Ist das bereits die Gründungssitzung?

Matthias Amberg: Nein. Wir arbeiten weiter an der Gründung und vor allem daran, unser Konzept und Profil zu schärfen. Die Gründung soll nicht einfach ein formeller Akt sein. Wir möchten sie mit einem öffentlichen Anlass verbinden, bei dem wir auch inhaltlich auftreten können. Zu dieser offenen Sitzung am kommenden Montag, 20.04. sind alle StäfnerInnen und UerikerInnen herzlich eingeladen. Der Anlass ist auf lokal.news und www.fuerenand.ch/staefa ausgeschrieben.

lokal.news: Wann soll die Gründung stattfinden?

Matthias Amberg: Spätestens diesen Herbst. Solange es warm ist. Aber wir wollen bereit sein. Eine Pflanze kann man nicht aus der Erde ziehen, sie muss selber wachsen. Zuerst soll das Bürgerforum breiter abgestützt sein. Ein möglicher inhaltlicher Aufhänger für den Gründungsanlass wäre die Bahnhofgestaltung – das ist sicher ein Thema, das viele beschäftigt. Falls der Gemeinderat die Bevölkerung nicht aktiv in die Planung einbezieht, werden wir hier erstmals aktiv und eigene Vorschläge einbringen.

lokal.news: Habt Ihr beim Bürgerforum ein Vorbild?

Matthias Amberg: Bürgerforen gibt es bereits in vielen anderen Gemeinden, etwa in Küsnacht, Herrliberg, Greifensee, Bubikon oder Wallisellen. Das sind keine revolutionären Vereine, sondern oft gut verankerte und bewährte Organisationen, die die politische Landschaft ergänzen und sich für das Dorfleben einsetzen. Oft sind sie auch stark in den Behörden vertreten, in Greifensee stellen sie zum Beispiel drei von sieben Gemeinderäten und sind damit die klar stärkste Gruppierung und können einiges bewegen. Viele bestehen seit Jahrzehnten. Wir erfinden das Rad also nicht neu, sondern knüpfen an ein erprobtes Modell an.

lokal.news: Steht ihr mit anderen Bürgerforen bereits im Austausch?

Matthias Amberg: Ja. An unserer letzten Sitzung war jemand aus dem Vorstand des Bürgerforums Küsnacht dabei. Ich war auch zum Weihnachtsessen bei der Aktion G in Greifensee eingeladen. Dieser Austausch ist für uns wertvoll. Man sieht dort auch, dass solche Organisationen nicht nur politisch wirksam sind, sondern den Beteiligten ebenfalls Freude bereiten.